Die Sukhothai-Periode

Die ältesten Ausgrabungen in Ban Chiang (Nordost-Thailand) brachten Funde einer menschlichen Zivilisation etwa um die Zeit 3600 v. Chr. zu Tage. Die Wurzeln der thais liegen im Südosten Chinas, im Jangtse-Tal, wo sie im Jahre 650 n. Chr. das unabhängige Königreich Nanchao gründeten. 1253 wurde Nanchao von Kublai-Khan überfallen und erobert. Diese Invasion verursachte eine Flüchtlingswanderung in den Süden, in das damals bekannte Gebiet Siam, das heutige Thailand. Die Thais ließen sich im fruchtbaren Chao-Praya-Flußtal nieder und gründeten ihre Hauptstadt Sukhothai. Im Jahre 1257 n. Chr. entstanden die ersten architektonischen Gebäude in dem noch heute für Thailand charakteristischen Stil, der auch Gemälde, Töpfereien und Bildhauerarbeiten umfaßt. Gemeinhin als “Goldenes Zeitalter” beschrieben, war es die Zeit, in der der Buddhismus offizielle Staatsreligion wurde. König Ramkhamhaeng, der bedeutendste Herrscher der damaligen Zeit, legte das noch heute gültige Thai-Alphabet fest und etablierte die bis zum heutigen Tag geltende Tradition des väterlichen Königtums, ausgerichtet auf Gerechtigkeit und das Wohlergehen der Bürger.

 

Die Ayutthaya-Periode

Mehr als 100 Jahre später verlegten die Thais ihre Hauptstadt südwärts nach Ayutthaya, das mehr im Mittelpunkt des expandierenden Reiches lag. Im Jahr 1511 waren die Portugiesen die ersten Europäer, dieAyutthaya erreichten, gefolgt von den Holländern 1608, den Engländern 1612, den Franzosen 1663 und schließlich den Amerikanern mit Beginn des 19. Jahrhunderts. 1684 ging der erste Botschafter Thailands nach  Frankreich, von wo er drei Jahre später mit dem ersten Staatsvertrag mit einer außerasiatischen Macht heimkehrte. Nahezu während der gesamten 400jährigen Ayutthaya-Periode führten die Thais Krieg mit den Burmesen, die im Jahre 1767 schließlich die Hauptstadt Ayutthaya einnahmen und die Thais dazu zwangen, ihre Hauptstadt nach Thonburi zu verlegen. Bald nach dieser schmählichen Niederlage zwang König Taksin, einer von Thailands großen Heroen, die Burmesen jedoch das Land wieder zu verlassen. Sein Nachfolger und Gründer der derzeitigen Chakri-Dynastie, König Rama I., verlegte die Hauptstadt schließlich im Jahr 1782 üher den Chao Phraya Fluß nach Krungthep, dem heutigen Bangkok.

 

Die Bangkok-Periode

Rama I., der Bangkok nach dem Vorbild Ayutthayas aufbaute, führte ein Programm der kulturellen Erneuerung durch, um seinem Volk dessen Eigenheit und Stolz wiederzugeben. Während der Regierungszeit von Rama II. und Rama III. festigte sich die Monarchie weiter und manifestierte ihre Macht und ihr Ansehen in vielen neu entstandenen Bauten, wie z.B. dem Bau des Grand Palace und dem Bau von Wat Arun - dem berühmten Tempel der Morgendämmerung auf der anderen Seite des Menam Stroms, der Bangkok teilt. Bevor er 1851 den Thron bestieg, hatte der König Mongkut - Rama IV. - mehr als zwei Jahrzehnte als buddhistischer Mönch gelebt. Nachdem er König wurde, befaßte er sich intensiv mit westlicher Kultur und öffnete das Land nach über 200 Jahren selbstgewählter Isolation für westliche Lehren, Ideen und den Handel. Es ist der siamesische König, der vielleicht den meisten durch den Film “Der König und Ich” mit Yul Brunner oder auch “Anna und der König”  bekannt ist. Sein Sohn Rama V. beaufsichtigte zahlreiche europäische Aktivitäten im asiatischen Raum, bevor er seine 42jährige Regentschaft antrat, die 1910 endete. Er begründete eine Außenpolitik, die es Thailand in dieser schwierigen Zeit der kolonialen Begehrlichkeit Europas ermöglichte, selbständig zu bleiben und dennoch wichtige westliche Technologien und Know-How in den eigenen Kulturkreis einzubeziehen. Seine Nachfolger Rama VI. und Rama VII. sahen sich einem zeitpolitischen und wirtschaftlichen Wandel gegenüber, was schließlich im Jahr 1932 mit einem Staatsstreich zur Einführung der konstiutionellen Monarchie führte. Als äußeres Symbol für diesen Wandel wurde das Königreich Siam nach dem zweiten Weltkrieg in Thailand (wörtliche Übersetzung “Land der Freien”) umbenannt. Nach dem frühen Tod seines älteren Bruders Rama VIII. wurde der jetzige Monarch König Bhumibol - Rama IX. - im Jahr 1946 König von Thailand. Der 1927 in den USA geborene König ist beim Volk außerordentlich beliebt. Durch den engen Kontakt zu seinem Volk, der Förderung wichtiger Projekte, vor allem in der Landwirtschaft und im Umweltschutz, und der allgemeinen Hochachtung, die ihm entgegengebracht wird, ist der König und die königliche Familie heute die Gewähr für die ausgewogene Balance zwischen demokratischer Praxis, politischer Stabilität und ökonomischer Prosperität für das ganze Land.

 

Das heutige Thailand

Ihre Einstellung zu Freiheit und Unabhängigkeit haben die Thailänder im Laufe ihrer langen Geschichte beibehalten. Thailand hat seine Unabhängigkeit mit Erfolg seit mehr als 700 Jahren bewahrt und war als einziges südostasiatisches Land niemals kolonialisiert. Die drei Säulen, die 60 Millionen Menschen vereinen und ihnen Kraft und Beweglichkeit verleihen, frei zu bleiben, sind die Nation, die Religion und die Monarchie.

 

Die Nation

Die Thailänder sind ein freiheitsliebendes Volk. Diese besondere Eigenschaft war immer eine wichtige und beherrschende Kraft im thailändischen Regierungssystem. Dies wird aus einer Stein-Inschrift aus der Sukhothai-Periode (1238-1350) besonders deutlich: ”Wer auch immer mit Elefanten handeln möchte, der tue dies.”  Dies Zitat dokumentiert, daß freies Unternehmertum seit vielen Generationen zur thailändischen Lebensphilosophie gehört. Freiheit war stets ein entscheidender Eckpfeiler im Volk bei dessen gesetzmäßigem Streben für den Lebensunterhalt. So entwickelte sich eine Regierungsform voll väterlicher Fürsorge für Freiheit des Handelns, der Rede und des Geschäftslebens.

 

Die Religion

Der zweite Eckpfeiler der thailändischen Gesellschaft ist die Religion. Mit rund 95 % bekennt sich die überwiegende Mehrheit der Thailänder zum Theravada-Buddhismus. Der buddhistische Einfluß läßt sich im Leben der Thais sehr leicht feststellen. Buddhistische Tempel, safrangelbe Mönchsroben und die Almosen, die den Mönchen allmorgendlich gebracht werden, sind beredte Zeugen für die Gültigkeit von Buddhas Lehren. Der Freiheitssinn der Thailänder spiegelt sich auch in ihrer berühmten religiösen Toleranz wider. Während der Buddhismus Staatsreligion ist, haben Andersgläubige völlige Freiheit in ihrer Religionsausübung. Um die Religionsfreiheit zu garantieren, stehen alle Religionen unter der Schutzherrschaft des Königs. So findet man in Thailand christliche Kirchen, islamische Moscheen und taoistische Schreine in der Nachbarschaft buddhistischer Tempel.

 

Die Monarchie

Die letzte Institution in der Trilogie, aber bei weitem die wichtigste, ist die Monarchie. Diese Einrichtung ist so alt wie die thailändische Nation selbst. Die thailändische Geschichte berichtet über zahlreiche Siege heldenhafter Könige, die zu Rettern der Nation wurden. Ohne deren Taten bestände die thailändische Nation heute vielleicht gar nicht mehr. Der gegenwärtige Monarch, Seine Majestät König Bhumibol Adulyadej, Rama IX., wird in einem Maße von seinem Volk verehrt und geliebt, daß er in den Augen der Thailänder einen halbgottähnlichen Status genießt. Sein Bild hängt in fast jeder Wohnung des Landes, zusammen mit Bildern anderer Mitglieder der Königsfamilie. Der König bemüht sich nicht nur aufopferungsvoll um das Wohl seines Volkes, sondern er arbeitet auch hart für die nationale Entwicklung. Fraglos ist er der geistige Führer und ein Garant für die Solidarität des thailändischen Volkes. Beschrieben als ,,Leben und Seele" der Nation, ist die königtiche Familie die einigende und stabilisierende Kraft Thailands.

 

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Copyright © by Detlef Liedigk Alle Rechte vorbehalten/ All rights reserved. 05. Mai 2006 16:43:29 +0200